Es gibt Charaktere, auf die man bei jedem Vorglühen stößt. Sei es die Wasser trinkende Spaßbremse oder der übermotivierte Suffkopp. Doch die Übergänge zwischen den einzelnen Typen können einstweilen so fließend sein, wie der Spirituosenverbrauch an diesem Abend selbst. Sei mal ehrlich, du bist doch auch darunter.

Der Defensive

„Ich bin nur beim Vorglühen dabei und geh dann heim. Ich trinke auch nichts.“ Du lässt diesen Satz nur zu gern fallen und jedes Mal nervt es deine Leute mehr. Vielleicht hast du auch deinem Partner versprochen, nichts zu trinken und mit ihm um 12 ins Bett zu gehen. Puh. Es ist eigentlich gar nicht so sehr die Tatsache, dass du jedem reindrücken musst, dass du nichts trinkst, weil du am nächsten Tag früh raus musst, um effektiv zu sein. Es ist vielmehr das Wissen deiner Freunde darum, dass du nach zwei Stunden sowieso die dichteste Person im Raum bist. Du wirst früher oder später unter dem Druck der Gruppe zur Weinflasche greifen. Also entspann dich und sieh die Versuche deiner Leute, dich zum Trinken zu bewegen, als Kompliment an. Bei ägyptischen Beduinen gilt es als unhöflich, alles unter der dritten Tasse Tee abzulehnen. Nimm dir ein Beispiel und reiß dich zusammen.

Der Übermotivierte

All in or Nothing. Es kann durchaus sein, dass du bis vor zwei Stunden noch mit einem Glas Wasser dagesessen bist und deinem Partner Herz-Emojis geschickt hast. Doch die Gruppe hat dich erfolgreich manipuliert. Du siehst es nun als deine Berufung an, deine Mitmenschen zum Trinken zu motivieren. Egal, wie sie es anstellen, sie können es dir nicht recht machen. Denn entweder trinken sie nicht genug, oder sie trinken zu langsam. Die gute Nachricht für deine angestrengten Freunde: Du wirst sie nicht den ganzen Abend damit belagern, weil du irgendwann (hoffentlich) neben einer Toilette zusammenklappst. Wenn du deine Leute nicht zu sehr gestresst hast, bringen sie dich vielleicht noch in die stabile Seitenlage.

Der frische Getrennte

Dein Vorglühen hat schon zwei Stunden früher begonnen. In deinem dunklen Zimmer. Allein. Wenn du dich zur Runde dazugesellt, hast du in der Regel bereits eine Flasche Billig-Wein intus. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass hier auch durchaus übermotivierte Muster zum Vorschein kommen können. Ist dies jedoch nicht der Fall, sieht es wahrscheinlich so aus: Du redest nicht viel, aber trinkst umso mehr. Es ist ein stiller Rausch, mit dem wir es hier zu tun haben. Du starrst viel ins Leere. Ab und an mischt sich ein leises Wimmern unter die Spotify-Playlist. Doch stille Wasser sind tief. Spätestens wenn der Song ertönt, zu dem du und dein Expartner zum ersten Mal im Club rumgemacht haben, gibt es kein Halten mehr. Nein wirklich. Da du dich seit zwei Stunden härtesten Alkoholkonsums zum ersten Mal aus deiner Versackung erhebst, wirst du aller Wahrscheinlichkeit nach erstmal taumelnd zu Boden gehen.

Der Effiziente

Du bist grundsätzlich abgebrannt und musst dich deshalb irgendwie durch den Abend schnorren. Zudem hast du Strategien entwickelt, um aus einem kleinen bzw. minderwertigen Alkoholangebot möglichst viel Pegel rauszuholen. Anfangs nippst du eine Stunde lang an dem Bier rum, das du dir wahlweise aus dem Kühlschrankfach deines Mitbewohners oder aus den Beständen deines Vaters „geliehen“ hast. Irgendwann können deine Leute das nicht mehr mitansehen und machen dir eine Mische nach der anderen. Große Hoffnungen setzt du auch in den „Übermotivierten“, der es irgendwann als seinen Job ansieht, dich betrunken zu bekommen. Falls das alles nicht reicht, kommt der Schlüsselmoment, wenn sich alle auf den Weg machen. Solltest du dich jetzt noch nicht in der Lage dazu fühlen, eine betrunkene Souveränität an den Tag zu legen, die dir das Ansprechen von umschwärmten Menschen ermöglicht, ist nun die Zeit des sogennanten Indianers gekommen. Es ist hässlich, aber notwendig. Und so schnappst du dir alle Alk-Reste deiner Leute, die nun angewidert wegsehen und schüttest diese zusammen. Prost Mahlzeit.