„Was geht heut Abend?“ Keine andere Frage ist so bezeichnend für eine Ausgehkultur, die sich alles offen halten und nichts verpassen will. Egal ob Konzert, WG-Party oder Netflix&Chill – jede Option hat seine Licht- und Schattenseiten. Zeit, darüber zu sprechen.

Ein Konzert ist ein magischer Ort. Lauter Leute, die auf die gleiche Musik stehen und diese zelebrieren. Und danach ist der Abend ja auch noch jung genug, um weiterzuziehen oder?

Konzerte sind natürliche Menschenfilter

Du bekommst kurzfristig mit, dass einer deiner Musikgötter in deiner Stadt spielt und es gibt noch Abendkasse? Oder dein Kumpel fragt dich notgedrungen („Gib mir einfach die Hälfte, dann passt das“), weil ihm sein Date abgesprungen ist? Klingt gut. Menschen, die dich nicht stressen, weil sich Musikgeschmack und gewisse damit einhergehende Verhaltensmuster überschneiden. Konzerte treffen quasi eine Vorauswahl an Menschen, mit denen du tendenziell besser zurechtkommst, als etwa mit den Gestalten, die du in einer Großraumdisse antriffst. Hier liegt der große Pluspunkt. Falls du also auf Partnerschau bist, wirst du hier ja vielleicht fündig – es ist nicht viel so einfach und so schön, wie über eine gemeinsame Lieblingsband zu bonden. Und ganz schnell glaubst du an Seelenverwandtschaft.

Du saust dich ein

Alle sind happy und keiner sucht Streit. Wunderbar. Danach wird’s auch erst 11 sein, dann kannste ja noch easy ein kurzes Netflix & Chill drankoppeln. Ok, stopp. Einer der größten Trugschlüsse: „Da Konzerte ja vergleichsweise früh beginnen, kann man danach ja noch weiterziehen.“ Denkste. Je nachdem, was das für ein Konzert war, wirst du danach aussehen, wie deine neuen weißen Sneaker, nach einem Abend im Club. Verdreckt und evtl. sogar zertrampelt, denn: Keine halben Sachen – einmal in den Pit geht immer. Wobei hier das Level der Wastedness selbstverständlich nach dem jeweiligen Künstler variiert. Doch wir gehen jetzt einfach mal davon aus, dass du nicht mit verschränkten Armen in der Ecke stehst, wie früher oder später der Fahrer an einem Partyabend. Das reicht auch schon, damit du dich nach dem Konzert nicht mehr ganz so frisch fühlst. Außerdem gibt es immer diesen einen fanatischen Fan, der, ohne Rücksicht auf den Verschüttungsradius des eigenen Getränks, seinen Gefühlen Ausdruck verleihen muss. Da du während des Konzerts deutlich zu wenig Bier getrunken hast, um das zu ignorieren, wirst du auf jeden Fall nochmal unter die Duschen springen müssen. Wer hat schon Bock, sich alle 20 Minuten zur Bar durchzuringen?

Konzerte sind Energiefresser

Wenn du dann gegen halb 12 ausgenüchtert aus der Dusche steigst, wirst du dir zwangsläufig die Frage stellen, ob es das jetzt wirklich noch Wert ist, loszuziehen. Konzerte sind Energiesauger, die ihresgleichen suchen. Tausend Eindrücke prasseln auf dich ein und eigentlich würdest du sie am liebsten gleich mit ins Bett nehmen und sie vor einem potentiellen Alkoholtod bewahren. Außerdem hast du dir doch schon eine Nummer abgecheckt. Ihr habt euch so angeregt darüber unterhalten, wie sehr euch beiden Künstler X dabei geholfen hat, durch ne schwere Zeit nach dem Tod eures Kaninchens zu kommen. Magisch. Du fühlst da auch echt ne tiefere Connection zwischen euch. Das reicht doch für einen Abend oder etwa nicht?