„Was geht heut Abend?“ Keine andere Frage ist so bezeichnend für eine Ausgehkultur, die sich alles offen halten und nichts verpassen will. Egal ob Konzert, WG-Party oder Netflix&Chill – jede Option hat seine Licht- und Schattenseiten. Zeit, darüber zu sprechen.

Wenn du selbst Musiker bist und Ahnung von der lokalen Musikszene hast, weißt du vielleicht, was dich bei einem solchen Gig erwartet. Wenn nicht, solltest du das hier definitiv lesen. Es wird dir vielleicht einen Abend retten.

Eins vorneweg: Wir gehen mal in den folgenden Zeilen davon aus, dass es sich bei der befreundeten Band um eine lokal minder bekannte Gruppierung mit kaum Connections handelt, deren Auftritte im Jahr an einer Hand abgezählt werden können.

Es beginnt mit einem Gefallen und dem Versprechen auf Backstagebier. Dein Kontaktmann in der Band meint optimistisch: „Sei auf jeden Fall spätestens 20:30 Uhr da. Wir sind Support und spielen schon um 21 Uhr. Am besten du kommst schon früher, dann können wir mit der Band noch abhängen.“ Was du jetzt denkst: „Cooles Ding. Erst bisschen abkumpeln und Livemusik und danach kann  ich ja noch auf mindestens zwei anderen Hochzeiten tanzen.“ Falsch. Denn was du nicht weißt: Der Gig von befreundeten Musikern kann zur dramatischen Todesfalle für deine restliche Abendplanung werden. Und so ziemlich alles, was dir dein übermotivierter Freund oder die Facebook-Veranstaltung verspricht, wird nicht zutreffen. Wenn wir was von der Ausgehoption „Konzert“ gelernt haben sollten, dann, dass die Chancen, nach einem Konzert noch weiterzuziehen, äußerst schlecht stehen. Dieser Umstand verstärkt sich noch, wenn es sich um das Konzert einer befreundeten Band handelt.

Unvorhersehbare Verzögerungen

Es fängt damit an, dass du, möglicherweise bereits während du dich auf dem Weg zur Location befindest, eine Nachricht mit folgendem Inhalt bekommst: Equipment/Instrument X ist defekt und es muss eine Alternative besorgt werden. Es reicht also, wenn du erst gegen 21:30 kommst. Ok, wirst du dir denken, die eine Stunde ist jetzt nicht so dramatisch. Du hast sogar eine Stunde Puffer bis zu deiner Verabredung auf dieser einen WG-Party eingeplant. Gut gemacht. Deine Leute, die du zum Gig mitgeschleppt hast, weil dein Kumpel meinte, dass der Location ein paar schöne Leute gut tun würden, sind so mittel amused. Doch die Aussicht auf Freibier ist noch genug Motivation.

Du bist also, wie ursprünglich besprochen, 20:30 vor Ort und wirst mit einer warmen Umarmung und der nächsten Information empfangen: Kurzfristig ist eine weitere Band aufgesprungen, die noch vor der Band deines Kumpels spielt. Der strahlt dich nun an und sagt: „Wir sind also nicht mehr Vorband, sondern schon fast Hauptact. Wie geil ist das denn bitte?“ Nun rechnest du gedanklich nochmal nach und merkst, dass sich der Rest deines Abends gerade auflöst. Abgesehen davon kann es gut sein, dass dein Band-Buddy mit weiteren Ankündigungen aus der Ecke ankommt.

Kein Fame für Niemanden

Wenn du glaubst, dass deine quasi bandzugehörige Außenwirkung irgendwelchen Eindruck auf Objekte deiner Begierde macht, liegst du falsch. Erstens: Es kennt niemand die Band. Zweitens: Es ist fast keiner da, außer den paar Alkoholleichen, die eh immer in der Bar rumhängen. Drittens: Bei den Leuten, die du mitgeschleppt hast, ist schon erst recht nichts mehr zu holen. Die hassen dich nämlich jetzt. Es endet also mit Warten. Und Rumhängen. Viel Rumhängen. Und das dann meist noch in einer Spelunke, die ihresgleichen sucht. Du siehst also, das Ganze könnte ziemlich ernüchternd werden. Aber hey: Sei kein Kameradenschwein und geh einfach hin.