Nahezu jeder Student hatte sie und kann die schaurigsten Geschichten darüber erzählen: WG-Castings. Nur konstant hohe Ansprüche hindern dich daran, den schlimmsten Fehler deines Studiums zu machen.

Studentenstädte sind ein Paradies. Viele Leute in deinem Alter, deren Lust auf Kopulation, genau wie bei dir, auf ein Maximum angestiegen ist. Und zu feiern gibt es sowieso immer irgendwas. Doch in mindestens einer Hinsicht können Studentenstädte auch die Hölle sein: WG-Castings. Die Feuertaufe steht jedem Studierenden bevor, der in seiner Stadt wirklich ankommen will. Naja, jedenfalls wenn man die Eroberung des Abends nicht mit dem Nachtbus oder gar der Bahn zu sich zu bugsieren will. Natürlich kann es auch sein, dass du eines dieser Rich Kids mit eigener Bude bist. Dann solltest du dennoch weiterlesen, um zu verstehen, welche Lebenserfahrung dir entgeht.

Die Suche nach einer WG jedoch ist bei Weitem nicht nur die Suche nach einer neuen Bleibe. Es ist der Blick in das Herz der Studentenstadt und eben auch in deren Abgründe. Du lernst deine Stadt und ihre Bewohner besser kennen, als durch jeden betrunkenen Smalltalk mit Passanten, die du nachts nach dem Weg zum Club fragst. Die Stadtführung, die dir der süße Boy von der Erstsemesterparty gibt, wird dich auch nur an die unbelebtesten Orte der Stadt führen und am Ende eben zufälligerweise zu seiner Bude. Wenn du deine Ansprüche an dein studentisches Heim hoch hältst und irgendwann an die 20 Besichtigungen hinter dir hast, weißt du wie deine Stadt tickt, glaub mir. Es ist wie mit Beziehungen im Studium: Wenn du dich dem erstbesten Stadtführer an den Hals schmeißt, läufst du Gefahr, etwas zu verpassen.

Man kann zwischen zwei Faktoren unterscheiden, die ein solches Casting zur Erfahrung der besonderen Art machen können: Den Bewohnern auf der einen und der Wohnung bzw. deren baulicher Ausstattung auf der anderen Seite. Ein Beispiel für Ersteres: Dir wird nach der Begrüßung und nachdem dir dein Matetee mit Ingwerraspeln in die Hand gedrückt wurde, vorsichtig kommuniziert, dass man in dieser WG kein Problem damit hätte, keine Kleidung zu tragen. Im Gegenteil: Es wäre genaugenommen sogar Pflicht. Aber hey, erstmal no Pressure. Zudem habe man alle Türen ausgebaut, um ein wärmeres Gefühl der Offenheit zu erzeugen (Kein Scheiß). Klassischer menschlicher WG-Faktor. Handelt es sich jedoch um eine Begebenheit, die etwas mit der materiellen Beschaffenheit der Wohnsituation zu tun hat, muss man von einem baulichen Faktor sprechen. Ein Beispiel hierfür wäre, dass sich wie so oft in einem Altbau, Badezimmer und Küche einen Raum teilen. Der Herd steht neben der Dusche. Der Duschvorhang hat in diesem Fall zwei Funktionen: Zum einen schützt er die nebenan kochende Person vor Wasserspritzern, zum anderen die duschende Person vor Fettspritzern. Toll.

Man muss jedoch hinzufügen, dass beide Faktoren meist fließend (haha) ineinander übergehen.  Etwa wenn ein Bewohner erwähnt, dass es dem WG-Gemeinschaftsgefühl sehr gut tue, sich beim Kochen mit dem nebenan duschenden Mitbewohner zu unterhalten. Man merke also: Beide Faktoren können dir einen Strich durch die Rechnung machen. Vor allem hier solltest du auf den Beziehungsvergleich achten. Ich wiederhole: Halte deine Ansprüche hoch, es gibt sie, deine Traumbude. Nur wenn sowohl  menschliche, als auch bauliche WG-Faktoren passen, wird das ne zumindest mittelfristige Erfolgsgeschichte. Der Vergleich hinkt nämlich an einer Stelle gewaltig: In einer Studentenstadt findest du lang nicht so schnell eine neue Bleibe, wie einen neuen Partner.